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Lovely Valentine!

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FAS



„Falsche Diamanten, echt gekonnt

Vom Erfolg ihrer ersten Schmuck-Kollektion war Saskia Diez selbst überrascht. Was wie Spielzeug aussieht, steckt voller Raffinesse.
VON SANDRA HOFMEISTER

Kalter Wind peitscht durch die Straßen des Münchner Glockenbachviertels und wirbelt dünne Schneeflocken durch die Luft. Aus einem Ladenfenster dringt Licht nach draußen in die Dunkelheit. Im Hellen, wie auf einer angestrahlten Bühne, sitzt eine junge Frau mit kurzen Haaren und konzentriert sich auf ein Stück Draht, das sie mit sicheren Handgriffen und einer Zange bearbeitet.

Saskia Diez entwirft Schmuckstücke, die durch ihre schlichte Form bestechen und alles andere sein wollen als schriller Modeschmuck für eine Saison. Auf dem Fensterbrett ihres neuen Showrooms in der Geyerstraße liegen Armbänder aus großen, glänzenden Holzperlen neben runden Kartons, die wie abgeschnittene Posterrollen aussehen und als Schmucketui dienen. Die neue Frühjahrskollektion trägt den schlichten Namen „Wood“ und erinnert an Kinderspielzeug. Doch die hochwertige Verarbeitung der Perlen – mehrfach poliert und in klaren, leuchtenden Farben sorgfältig lackiert – passt nicht zu diesem Bild. „Meine Stücke sind keine Unikate“, sagt die Designerin. Auf wertvolle Edelsteine kommt es ihr nicht an, vielmehr auf die grundsätzliche Wertigkeit sowie Authentizität des Materials, und Holz zählt dabei genauso wie 18 Karat Gold oder Elfenbein.

Insgesamt neun Kollektionen hat Saskia Diez in den letzten drei Jahren entworfen. Sie tragen selbsterklärende Namen wie „Fine“ oder „Boule“ und sind als Serien passender Armbänder, Halsketten und Ohrringe konzipiert, die in ausgewählten Concept-Stores und Galerien in Berlin oder Tokio, Paris oder New York verkauft werden. Jetzt hat die 1976 geborene Mutter zweier Kinder ihr Atelier aus der Werkstatt ihres Mannes Stefan Diez, der sich als Shootingstar des deutschen Designs einen Namen gemacht hat, ins Vorderhaus verlegt und um einen Showroom ergänzt. An den Wänden lehnen Fotografien und Bilder des letzten Shootings, zum aufhängen ist die Designerin noch nicht gkeommen. Ein durchgehendes Holzmöbel mit vornehmem Furnier bewahrt die einzelnen Schmuckstücke in vielen einzelnen Schubladen auf – lauter Überraschungsboxen, die Saskia Diez mit einem geschickten Handgriff öffnet und dann wieder schließt.

Im Nebenraum, ihrem Atelier und Arbeitsplatz, sind Fotos und Schmuckideen aus Schnüren oder Kupferdraht an die Wand gepinnt. Einen Bunsenbrenner, wie bei Goldschmieden üblich, sucht man hier vergeblich. Saskia Diez entwirft ihre Modelle mit Schere und Papier, Faden und Draht an einer alten Werkbank. Die Produktion hat sie spezialisierten Goldschmieden, Gießereien oder Steinschleifern übertragen und kümmert sich neben dem Entwerfen der Kollektionen um den Vertrieb und das Marketing ihres Labels. Zweimal im Jahr präsentiert sie auf der Pariser Modewoche; in ihrem Atelier in der Geyerstraße sortiert sie Bestellungen, leitet sie an die Produktionspartner weiter, und verschickt dann die fertigen Schmuckstücke in die ganze Welt.

Nach ihrer Goldschmiede-Ausbildung studierte Saskia Diez Industriedesign in München, arbeitete in verschiedenen Designstudios, unter anderem auch bei Konstantin Grcic und bei Rosenthal in Selb. 2005 nahm sie noch als Studentin am Volvo-Wettbewerb „Frau und Sport“ teil und entwickelte aus Eisen gegossene Armbänder, die zum Gewichtheben bestimmt waren. „Untragbar“, meint sie heute schmunzelnd. Für den Abschluss ihres Studiums ließ sie die Modelle in Bronze nachgießen, mit leicht abgewandelter Form. Ahnungslos platzierte sie einen Prototyp auf dem Waschbecken des Ideal House, das Stefan Diez 2006 auf der Möbelmesse in Köln 2006 präsentierte. Als dann von Messebesuchern Anfragen zum Kauf des Armbands kamen, entstand Saskia Diez’ erste Kollektion „Diamonds“. Mit den Edelsteinen hat das schwer in der Hand liegende Armband nur die Form seiner vergoldeten oder versilberten Einzelteile gemein: Diamantschliff, Smaragdschliff und Saphirschliff, maßstabvergrößert, in Bronze gegossen und versilbert oder vergoldet. Als ob sie diese Ironie ihres Entwurfs noch zuspitzen wollte, erweiterte Saskia Diez die Kollektion um einen klassischen Diamantring – einen Solitär mit Zweikarat –, ganz aus Silber gegossen. „Plötzlich war ich ungeplant zurück in der Schmuckwelt“, meint die Designerin im Rückblick.

Der selbstbewusste Materialwechsel ist seit ihrer zwischenzeitlich auf 14 Varianten und Einzelteile gewachsenen Kollektion Diamonds ein erfrischendes Markenzeichen ihrer Arbeiten geblieben. Die filigranen Sterling Silber-Halsketten „Knots“ (2006) sind nach dem Prinzip von Schiffstauen verknotet; sie können mit einem kleinen Lederverschluss verkürzt oder verlängert werden. „Was mich begeistert, ist die Funktionsweise von bestimmten Details“, meint Saskia Diez. „Ich versuche mich von Standardlösungen wie Federhaken und Karabinern fernzuhalten.“ Die dünnen, gewebten Silberketten der Ringe aus der Kollektion „Boule“ werden um den Finger geschlungen und mit einer Perle zugeknöpft; der Bajonettverschluss der filigranen Halsbänder „Fine“ kann mehrere Ketten verbinden, so dass sich beliebige Verlängerungen ergeben. Etwa zwei Kollektionen im Jahr entwirft Saskia Diez. Viele der serienproduzierten Schmuckstücke ihres mutigen Labels breiten ihren unauffälligen Charme erst bei genauem Hinsehen aus. Der Ladenpreis liegt zwischen 40 und 300 Euro, je nach Material und Einzelteil. Nicht teuer für ein standhaftes, schmückendes Accessoire, das sich dem modischen Zeitgeist widersetzt. Groß auftrumpfen freilich können Frauen damit nicht.“

12 / 2008, portrait