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More, march 2008



„Ich war eigentlich der Meinung, ich bin mit Schmuck durch.“ Saskia Diez sitzt auf der Empore in ihrem lichtdurchfluteten Atelier im Münchner Glockenachviertel und lächelt.

Auf ihren Händen hält sie ihre Kreationen. Zarte Gebilde, die sich um ihre Arme schlängeln. Dünne Kettchen, deren einzige Verzierung der Verschluss ist. Glatte Kügelchen, ineinander verschlungene Bänder, ein filigraner Armreif, in den ein winziges Herz eingesetzt ist und ein dazu passender zarter Ring.

Auch das Schmuckstück, mit dem alles begann, liegt vor uns. Ein Armband, das es aus Bronze und aus Glas gibt. „Ich habe klassische Edelsteinschliffe von Edelsteinen isoliert und auf anderes Material übertragen“, erklärt sie ihre Idee, die 2006 unverhofft Begeisterung bei Galerien und Händlern auslöste. Dabei sollte das Armband doch nur als Dekoration dienen. Entworfen hatte Diez es für ein Projekt von Volvo mit dem Titel „Frauen und Sport“. Die Schmuckdesignerin erfand praktisch „Gewichte, die man am Arm trägt“. Gut aussehen und dabei unauffällig Fitnessübungen machen, stand als Idee dahinter. Das wirklich relativ schwere Armband lieh sie 2006 ihrem Mann, der Industriedesigner ist, für dessen Ausstellung auf der Messe „Ideal House“. „Es lag als Inszenierung im Bad“, erklärt Diez.

Doch dabei blieb es nicht. Schon nach kürzester Zeit meldete sich der erste Interessent: ein New Yorker Laden wollte dieses Armband sofort in sein Sortiment nehmen. Überrascht ließ Diez einige davon anfertigen und hatte schnell drei bis vier gute Adressen, die es haben wollten, unter anderem eine Galerie für zeitgenössischen Schmuck in Tokio.

„Trotzdem dachte ich immer noch, das war bestimmt ein One-Shot“, sagt die 31-Jährige. Doch das war ein Irrtum. Die Nachfrage nach ihren Stücken war so groß, dass Diez das nächste Schmuckprojekt in Angriff nahm. So war sie wieder beim Schmuck angekommen, den sie doch eigentlich für immer verlassen hatte.

„Nach meine Goldschmiedelehre hatte ich das Gefühl, dass die goldschmiedische Schmuckwelt zu eng wird“, erinnert sich  Diez. Sie verließ diese Welt und studierte Industriedesign, arbeitete später für Rosenthal und die Münchner Designer Christian Haas und Konstantin Grcic. Dass sie für Volvo doch noch mal ein Armband entwarf, war purer Zufall.

Inzwischen ist es kein Zufall mehr, wenn Diez sich wieder Gedanken macht. „Ich habe eine Nische entdeckt, die unbesetzt war“, sagt sie. Mit ihren relativ strengen, unverspielten Schmuckstücken, die sich vom Preis her deutlich vom Unikatschmuck abheben, hat sie etwas völlig Neues erfunden. Abnehmer sind nicht die klassichen Schmuckläden, sondern eher „concept stores“, so Diez. Vier Kollektionen kann sie bereits zwei Jahre nach Anfang ihrer unverhofften Karriere vorweisen: Diamonds, Knots, Fine und Boule. All ihre Schmuckstücke haben etwas gemeinsam, sagt die Künstlerin. „Die Sachen versuchen alle , etwas in Frage zu stellen. Muss ein Ring fest sein? Kann auch der Verschluss Schmuck sein? Und: Beim Benutzen muss man spielerisch damit umgehen können.“Claudia Wessel

03 / 2008, portrait